Anaphylaktischer Schock – was im Notfall zu tun ist

Stell dir vor: Ein Allergiker überreagiert mit dramatischen Symptomen auf eine reizauslösende Substanz. Das nennen Mediziner anaphylaktische Reaktion, der Volksmund spricht auch vom „allergischen Schock“. Jetzt ist es wichtig, richtig zu reagieren. Aber weißt du, was in einer solchen Situation zu tun ist? Wir geben einen Überblick.

Pro Jahr erleiden etwa 8 bis 10 von 100.000 Menschen eine lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktion. Unter der Masse von 1 Million solcher Notfälle sterben daran maximal drei Personen. Auch wenn das vergleichsweise wenig erscheint, sollten wir alle einmal darüber nachdenken, was in einer solchen allergischen Notsituation zu tun ist. Hast du auf dem Schirm, wie man Frühsymptome erkennt, welche Erste Hilfe angesagt ist oder wie man zum Beispiel den lebensrettenden Adrenalin-Autoinjektor benutzt? Allergiker, aber auch deren Angehörige wie zum Beispiel Eltern betroffener Kinder bzw. deren Umfeld (Kita-Betreuer oder Lehrkräfte) sind gut beraten, sich damit auseinanderzusetzen. 

 

Was geschieht im Körper? 

Bei einem allergischen Schock, der Anaphylaxe (griechisch: ohne Schutz), schüttet der Körper übermäßig viel Histamin aus, was wiederum eine fatale Kettenreaktion auslösen kann: Durch die Erweiterung der Blutgefäße fällt der Blutdruck in den Keller. Dann versucht der Körper zunächst, den Blutdruckabfall durch eine gesteigerte Herzfrequenz zu kompensieren. Wenn das nicht mehr funktioniert, sinkt die Herzfrequenz, und lebenswichtige Organe wie Herz, Gehirn und Lunge können nicht mehr ausreichend versorgt werden.  

Auf das Herzrasen folgt häufig ein Kreislaufzusammenbruch, aus den Gefäßen tritt Flüssigkeit aus und lagert sich im Gewebe ab, erkennbar an deutlichen Schwellungen (Ödemen). Treten diese im Halsbereich auf, kommt es zu akuter Atemnot. Da Histamin unter anderem für eine Verengung der Bronchien sorgt, fällt den Betroffenen das Atmen ohnehin schwer.  

Ein anaphylaktischer Schock kann also zweifellos lebensbedrohlich sein. Das Ausmaß der körperlichen Reaktion fällt in der Regel unterschiedlich aus und lässt sich nicht vorhersehen. Auch der Verlauf ist unkalkulierbar – deshalb tut rasches Handeln Not. 

 

Warnzeichen für die anaphylaktische Reaktion 

Schon kleine Mengen eines Allergens können ausreichen, um den gesamten Organismus aus dem Lot zu bringen. Typische Anzeichen einer Anaphylaxe sind: 

  • Juckreiz an mehreren Körperstellen (vor allem an den Handflächen und Fußsohlen oder im Genitalbereich) 

  • Blasse, kaltschweißige Haut 

  • Rötungen am ganzen Körper (juckender Nesselausschlag) 

  • Schwellungen an Lippen, Augen, Gesicht, Hals und Rachen 

  • Juckende, rote tränende Augen 

  • Verstopfte oder rinnende Nase 

  • Husten, Atemnot, pfeifendes Atemgeräusch 

  • Übelkeit bis zum Erbrechen, zuweilen auch Durchfall 

  • Schwacher oder schneller Puls 

  • Schluck- und Sprechprobleme, metallischer Geschmack im Mund 

  • Schweißausbrüche, Herzrasen, Todesangst 

 

Notfallset für Allergiker  

Für den Notfall sollten Allergiker grundsätzlich immer einen Adrenalin-Autoinjektor oder ein Adrenalin-Nasenspray griffbereit haben. Diese beiden Applikationsformen verengen schnell die Gefäße und stabilisieren bei einem plötzlichen Blutdruckabfall den Kreislauf. Hole dir am besten vorab dazu Beratung bei deinem Hausarzt, welche Präparate am besten zu dir passen.  

  • Bewahre dein Notfallset stets griffbereit auf und nimm es auch unterwegs mit 

  • Ein Allergie-Pass mit Informationen über Auslöser und Handlungsanweisungen ist hilfreich für alle Beteiligten und sollte ebenfalls immer mit dabei sein 

  • Übe kontinuierlich die Anwendung des Notfallsets (sinnvoll sind auch entsprechende Schulungsvideos) 

  • Prüfe regelmäßig das Verfallsdatum der Notfall-Medikamente 

  • Lass deinen Arzt regelmäßig überprüfen, ob deine Medikation noch passend für dich eingestellt ist 

 

Notfallmaßnahmen in 8 Schritten 

Ob du nun selbst betroffen bist oder eine andere Person eine schwerwiegende allergische Reaktion zeigt, solltest du im Ernstfall möglichst nicht in Panik geraten. Also nicht hektisch, aber zügig handeln. Entferne die Allergiequelle (zum Beispiel den Stachel einer Wespe). 

 

Bei Verdacht auf einen anaphylaktischen Schock sind folgende Erste-Hilfe-Schritte angezeigt: 

  1. Wende umgehend den Autoinjektor oder das Nasenspray an, falls vorhanden (die Anweisungen sollten auf dem Gerät stehen) 

  2. Wähle den Notruf (112) und nenne das Stichwort „Anaphylaxe“ 

  3. Lege die Person flach hin und lagere die Beine hoch (außer bei Atemnot; siehe Schritt 4) 

  4. Bei Atembeschwerden oder Erbrechen: Setze die Person aufrecht hin und halte sie ruhig 

  5. Ist die Person bewusstlos, bringe sie in die stabile Seitenlage 

  6. Wenn sich innerhalb von 15 Minuten keine Verbesserung einstellt, verabreiche eine zweite Dosis Adrenalin 

  7. Kein Puls mehr zu fühlen? Dann führe sofort eine Herzdruckmassage durch 

  8. Auch wenn sich die Person wieder besser fühlt: Bringe sie ins Krankenhaus! 

Achtung: Nachlassende Symptome können später erneut durch eine zeitlich verzögerte zweite Reaktion auftreten. Das nennt man biphasische Anaphylaxie. Genau deshalb sollten Betroffene nach einer schweren allergischen Reaktion immer sofort ärztliche Hilfe aufsuchen – auch wenn es ihnen zwischenzeitlich wieder besser geht. 

 

Quellen und weiterführende Informationen: 

https://www.gesundheitsinformation.de/anaphylaktische-reaktion-anaphylaxie-gegen-medikamente.html 

https://www.allergenvermeidung.org/allergien/allergischer-notfall 

allergiecheck.de